Depeche Mode
Wenn DM Jahr für Jahr ihren Namenstag feiern, dann sind bereits mehr als 1/4
Jahrhundert seit der ersten Geburtstagstortenkerze vergangen. Dieses für Bands
fast biblische Alter ist an sich schon erwähnenswert, doch Depeche Mode haben
mehr zu bieten als nur ein hohes Alter. Nachdem Dave und Co. infolge vieler
Hochs und Tiefs von Kritikern oft todgesagt wurden, konnten sie in 2005 mit "Playing
the Angel" ihr elftes Album (Compilations und Live-Alben nicht mitgerechnet)
veröffentlichen. Und keines gleicht dabei dem anderen.
Die ersten Jahre
Begonnen haben die aus Basildon (etwa 50 km östlich von London liegend)
stammenden Depeche Mode ihre Karriere 1981 mit der Single "Dreaming Of Me" und
dem darauf folgenden Album "Speak & Spell". Damals war Vince Clarke noch der
Songschreiber und die Lieder waren Elektropop in Reinkultur. Ihr größter Hit aus
dieser Zeit war "Just Can't Get Enough", der auch heute noch durch die Diskos
geistert.
Nachdem Vince Clarke 1981 die Band verließ, um kurze Zeit später mit Yazoo, dann
mit The Assembly und schließlich mit Erasure die Hitparaden zu entern,
entschieden sich Depeche Mode, dass Martin L. Gore in Zukunft die Songs
schreiben soll. Eine Entscheidung die, aus der Not heraus geboren, nicht besser
hätte sein können. Als Trio nahmen Depeche Mode nun ihr zweites Album "A Broken
Frame" auf.
Die Texte und Melodien von Martin Gore waren im Gegensatz zu denen von Vince
Clarke ruhiger, atmosphärischer und düsterer. Die tatsächliche Qualität von
Martin L. Gore war aber erst auf dem darauf folgendem Album "Construction Time
Again" richtig zu hören, denn die Produktion des 82er-Albums stand unter
Zeitdruck, und Martin griff deshalb auf Texte zurück, die er bereits in seiner
Schulzeit geschrieben hatte - wenn man so will, war "A Broken Frame" eine Art
"späte Pubertät", die aber fraglos Klasse hatte und hat.
Neue Pfade
Das 83er-Album "Construction Time Again" war ein Richtungswechsel. Ein
Neuanfang. Wieder als Quartett (Alan Wilder wurde nach Probezeit Mitglied) schuf
die Band mit diesem Album einen Meilenstein. Die Songs wurden experimenteller.
Erstmals benutzten Depeche Mode einen Sampler, der es ermöglichte, Geräusche
aufzunehmen, und sie in verschiedensten Tonhöhen wiederzugeben. "Pipeline" wurde
komplett mit gesampelten Umweltgeräuschen (U-Bahn, Küchengeräte, Pingpong-Ball)
eingespielt. Das war für die damalige Zeit revolutionär, und Depeche Mode wurden
in einem Atemzug mit Bands wie Kraftwerk oder Einstürzende Neubauten genannt.
Die Band begann, sich ein Image aufzubauen: Schwarze Kleidung und ernste Posen
waren der erste Schritt. Mit "People Are People" vom 84er-Album "Some Great
Reward" hatten Depeche Mode ihren ersten Nummer Eins-Hit. Die darauf folgende
Single war "Master & Servant", die sich mit der SM-Thematik auseinandersetzte.
Martin Gore brillierte inzwischen nicht mehr nur mit perfekten, düsteren Songs,
sondern er gefiel sich auch in der Rolle des Paradiesvogels. Schwarz lackierte
Fingernägel, viel Make-up und ausgefallene Kleidung machten den Blondschopf zur
umstrittenen Figur unter den Fans. Der Song "Blasphemous Rumours", ebenfalls vom
84er-Album, gelangte bei einigen Sendern wegen Gotteslästerung auf den Index.
Nach einer Singles-Compilation "Catching Up With Depeche Mode" (1985) schuf die
Band 1986 mit dem Album "Black Celebration" ihr wohl düsterstes Werk. Ihre Musik
hatte inzwischen eine Komplexität, die es ermöglichte, eine Atmosphäre zu
schaffen, die auf der einen Seite schwer und erdrückend und andererseits labil
und zerbrechlich wirkte. Die Texte über Lust, Verlust, Verlangen und Tod tun ein
Übriges und fügten sich hervorragend ins Ganze. Das optische Erscheinungsbild
der Vier wurde von immer mehr Anhängern der Band kopiert. Sie alle trugen
Schwarz, Leder oder wenigstens eine enge weiße Hose, wie Sänger Dave Gahan. Dies
hat sich bis heute, teilweise für die Band selbst sogar unerklärlich, wohl
gerade in Deutschlanf erhalten.
Die Marke Depeche Mode
Die Regie zum Videoclip von "A Question Of Time" (Black Celebration) führte
erstmals der Holländer Anton Corbijn. Dieses kann als erneuter Wendepunkt der
Band gesehen werden, denn Musik-Videos wurden immer mehr Image-Macher von
Musikern, und mit Anton Corbijn hatten Depeche Mode einen Meister dieses Faches
gefunden. Er schuf zusammen mit der Band ihr gesamtes Erscheinungsbild - bis
heute. Depeche Mode machten sich mit edlen Fotografien, kunstvollen, meist
schwarz-weißen Videoclips und seltenen Interviews zu einem exklusiven
Markenartikel - weniger ist oft mehr.
Mit "Music For The Masses" (1987) wurden Depeche Mode nun auch in den Staaten
groß. Bis dahin hatten sie, wie andere Elektro-Bands auch, eher einen
Independent-Status, denn es dauerte lange, bis die Amerikaner akzeptierten, dass
eine Band auch ohne Schlagzeug und Bass funktionieren kann. Ihr
Markenartikel-Konzept wurde mit diesem Album perfektioniert: Auf dem Cover von
Music For The Masses war ein Megaphon abgebildet. Diese Megaphon wurde nun in
verschiedenen Formen dargestellt (stilisiert, als Piktogramm, etc.) und in alle
Produkte (Singles, Videos, T-Shirts) der Music For The Masses-Zeit eingebaut --
man kann sagen, es wurde damit das "3-Streifen-Logo" von Depeche Mode. Ihr
legendäres, letztes Konzert (vor 75.000 Fans) der "Concerts For The Masses"-Tour
ließen sie vom Regisseur D.A. Pennebaker verfilmen, und brachten den Film in
einige Kinos -- ihr bislang einziger Flop. Kein Flop hingegen war das Live-Album
des Konzerts, benannt nach der Anzahl der Auftritte der Tournee - nämlich "101".
Das Bild auf dem Cover des Albums war wieder einmal etwas Besonderes, denn zu
sehen war nicht etwa die Band, sondern Poster der Band, die an einem
Merchandisingstand hingen. Ein weiterer Schritt von der Band zum Kunstobjekt
Im Namen der Rose
Mit ihrem darauf folgenden Album "Violator" (1990) lieferten sie Elektropop in
Vollendung ab. Darauf befinden sich u.a. das rockige "Personal Jesus" (welches
wieder mal auf dem Index landete), der Chartbreaker "Enjoy The Silence" und das
fiebrige "World In My Eyes". Violator ist nun schon über fünfzehn Jahre alt, und
trotzdem für viele Bands aus diesem Genre noch der Maßstab. Das
Sirenen-Markenzeichen wurde hier durch eine Rose ersetzt und ähnlich konsequent
eingesetzt wie beim Vorgänger. Nach der Welttournee gönnte sich die Band eine
längere Pause und kehrte 1993 zurück -- mit einem Paukenschlag, nein - mit
gleich Zweien. Zum einen hatte die Gitarre in der Musik von Depeche Mode an
Bedeutung gewonnen, und ihre Vorab-Single "I Feel You" war eine echte
Elektro-Rocknummer mit für die Band ungewöhnlich harten Riffs. Zum anderen hatte
sich die Optik von Frontmann Dave Gahan enorm gewandelt: der einst adrette
Bursche mit ordentlich rasiertem Nacken und gepflegtem Äußeren war nun ein
hagerer Kerl, übersät mit Tattoos und strähnigem, schulterlangem Haar. Die Fans
stürmten, trotz dieser einschneidenden Veränderungen, wie nie zuvor in die
Plattenläden, um sich das Album "Songs Of Faith And Devotion" (1993) zu kaufen.
Das Album wurde Nummer 1 in Großbritannien, USA, Deutschland und zahlreichen
anderen Ländern und sorgte dafür, dass Depeche Mode auch live gefragt waren, wie
zu keiner Zeit vorher. Depeche Mode kamen ihrer Verpflichtung nach und gingen
auf eine 14-monatige Tournee mit 156 (!) Auftritten. Das böse Erwachen kam nach
dieser Tortur: Die Mitglieder waren physisch und psychisch dermaßen ausgebrannt,
dass alle vier in ärztliche Behandlung mussten. Sänger Dave Gahan versank bald
darauf im endgültigen Drogen-Aus, Alan Wilder verließ die Band und alles deutete
sehr darauf hin, dass die CD zur Tour "Songs Of Faith And Devotion-Live" wohl
das letzte Album der Band sein würde.
Die Rückkehr als Trio
Doch Depeche Mode gaben sich nicht auf und veröffentlichten 1997 mit "Ultra" das
kaum noch für möglich gehaltene Comeback. Das viel zu häufig benutzte Wort
"Comeback" passt in diesem Zusammenhang wirklich: Sänger Gahan war nach einem
Drogencocktail Mitte der 90er-Jahre ein paar Minuten klinisch tot! Zum Trio
geschrumpft und frei von illegalen Drogen kehrten Depeche Mode zurück. Das Album
Ultra ist ein reifes, perfektes Werk einer Band, die musikalisch keine Hemmungen
mehr hatte und sich auch mal bei Country oder Gospel bedient.
Verständlicherweise hatte die Band noch nicht wieder die Kraft und den Mut auf
Tournee zu gehen, und so mussten sich die Fans bis 1998 gedulden, denn dann kam
der zweite Teil ihrer "Singles-Compilation" (86-98) inklusive des neuen Songs "Only
When I Loose Myself" auf den Markt, und die Band tourte wieder. Einer der
wesentlichen Gründe für den langanhaltenden Erfolg von Depeche Mode sind die
ungewöhnlich treuen Fans. Die Qualität ihrer Musik und die Tatsache, dass
Depeche Mode nie einem Musiktrend gefolgt sind, sondern viel mehr eigene
begründeten, erklärt sicherlich diese lange Anhängerschaft, jedoch nicht
ausschließlich. Auch die perfekte Marketingstrategie der Band spielt hier eine
Rolle, denn sie verstanden es und versteht es bis heute, zu jeder Neuerscheinung
ein völlig neues Bandstyling zu kreieren. Dadurch wirken Depeche Mode zu keiner
Zeit angestaubt oder unmodern, und bleibt als Band und als Produkt interessant.
Erreger 2001
20 Jahre nach den ersten Synthie-Fiepsern - präsentieren sich Depeche Mode
abgeklärt, reif und erfahren. Ihr letztes gemeinsames Werk "Exciter" geht,
entgegen den Erwartungen vieler, wieder weg von den Saiteninstrumenten, sondern
bietet viele, noch nie gehörte elektronische Sounds, die man mit ein wenig gutem
Willen durchaus Fiepser nennen könnte - und so schließt sich der Kreis. Im
Herbst 2001 kehren sie wieder auf deutsche Bühnen zurück, und dort wird man sich
sicherlich davon überzeugen können, dass Depeche Mode auch nach zwei Jahrzehnten
im Pop-Biz weiterhin zu den richtig Großen gehören.
Auf Solopfaden
2003 und 2004 sind die Jahre der Soloprojekte von Martin und Dave. Im April 2003
veröffentlicht Martin L. Gore sein neues Album "Counterfeit²" und präsentiert
sich im April erstmals solo bei zwei Konzerten. Das Album ist das zweite in
seiner "Counterfeit" betitelten Serie von Coverversions-Alben mit denen Martin
L. Gore an seine musikalische Helden von damals und heute erinnert.
Nach dem phänomenalen Erfolg von "Exciter" und einer umjubelten Tour 2001 (die
auf der erfolgreichsten Musik-DVD "One Night in Paris" eindrucksvoll
dokumentiert ist), hat sich Martin L. Gore eine Auszeit von Depeche Mode
genommen und einer seiner großen Leidenschaften gefrönt: der geniale Songwriter
hat ein Album mit Coverversionen seiner "all time favourite songs" aufgenommen,
so wie er es bereits vor 14 Jahren mit der EP "Counterfeit" getan hat.
Entstanden ist sind 11 radikal überarbeitete Coverversionen von Stücken von Lou
Reed, Iggy Pop, Nick Cave And The Bad Seeds, Kurt Weill, David Essex und John.
Wie "Counterfeit²" beweist, bewegten sich Martins Teenager-Vorlieben offenbar
ziemlich unbefangen zwischen Kultlegenden und Chart-Pin-ups.
Aber auch Dave Gahan stigt aus dem Schatten von Martin und veröffentlicht Anfang
2003 seine erste Soloplatte "Paper Monsters". Zur musikalischen Unterstützung
holt er sich seinen New Yorker Kumpel und Multi-Instrumentalisten Knox Chandler
ins Studio, der schon mit R.E.M. und Siouxsie & The Banshees musizierte. Als
Produzent der Debutscheibe fungiert Ken Thomas, der bereits als Soundmann bei
Sigur Rós in Erscheinung trat. Das Ergebnis trägt den Titel "Paper Monsters" und
steht ab dem 2. Juni im Laden, kurz davor erscheint die Vorabsingle "Dirty
Sticky Floors". Vom elektronischen Sound seiner Hauptband sollen Gahans Songs
stark abweichen. Vielmehr scheinen seine jazzig, bluesigen sowie rockigen
Vorlieben in den Kompositionen deutlicher zum Tragen zu kommen. Die Songs
handeln von spirituellen Kräften, die den Sänger seit seiner erfolgreichen
Drogen-Entziehungskur 1996 täglich begleiten. Der Song "Stay" ist der Geburt
seiner Tochter Stella Rose gewidmet. Dave Gahan stellt seine Geschichte zur
Überwindung von Ängsten in Zusammenhang mit dem aktuellen Weltgeschehen: "Das
ist wie das, was jetzt gerade in der Welt passiert: Es ist Leiden. Wir werden
mit Angst bombardiert. Ich hoffe, dass wir wieder kreativ sein und in Frieden
leben können". Seine Musik soll nicht zu verschnörkelt und kompliziert zu hören
sein, gleichzeitig aber auch nicht zu vorhersehbar. Als musikalische Vorbilder
nennt Gahan die Rolling Stones und David Bowie in seiner früheren Zeit. Sein
neues Material stellt er im Juni und Juli auf Europas Bühnen live vor. Die
Platte und die Tour ist ein derartiger Erfolg, dass Gahan weitere Zusatzkonzerte
im Herbst 2003 anhängen muss.
Pain and Suffering with Mr. Feather
Langsam aber stetig gehen die Gerüchte, dass es trotz aller Trennungsgerüchte
eine neue Platte geben könnte. Nach mehr als vier Jahren kreativer Pause als
Depeche Mode freut sich Mute im Frühjahr 2005 vermelden zu dürfen, dass die
Herren Gahan, Gore und Fletcher tatsächlich in trauter Eintracht unter der Sonne
Kaliforniens an neuen Songs werkeln.
Mitverantwortlich für die gute Stimmung ist der neue vierte Mann, Produzent Ben
Hillier, der in der Vergangenheit bereits an Alben von Blur ("Think Tank"),
Elbow ("Cast Of Thousands"), U2 ("Pop") und Suede ("Head Music") beteiligt war.
Zitate gibt es auch: "Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder zusammen im Studio
zu sein und wir sind alle begeistert vom neuen Material", so Gahan. Und: "Wir
haben ein unglaublich gutes Gefühl, was das neue Album betrifft.
Ben Hillier hat eine ganz neue Dynamik in die Band gebracht, die wir sehr
inspirierend finden." Auf einer Pressekonferenz im Juni 2005 in der Düsseldorfer
LTU Arena verrät die Band, dass das neue Studioalbum "Playing the Angel" im
Oktober 2005 erscheint.
Gleichzeitig wird auf der Presse-Konferenz bekannt gegeben, dass sich kurz
darauf die "Touring The Angel" in Amerika und Europa anschließt. 2 der Konzerte
sollen auch in der LTU Arena Düsseldorf stattfinden.
Ab November 2005 startet die Band Ihre Tour in Amerika und kommt Anfang 2006
nach Dresden, um die Europatournee fortzusetzen. Depeche Mode werden überall
frenetisch gefeiert. Und über den schier unglaublichen Erfolg Ihrer bis August
2006 andauenden "Touring The Angel" Tournee können sich DM nur freuen. 2006 soll
dann auch das Jahr der Remaster-Releases werden. Alle seit 1981 veröffentlichten
LP´s werden sukzessive digital nachbearbeitet und als 5.1 Version auf den Markt
kommen. Auch die 4 Singles-Auskopplungen der "PTA" sind Riesenerfolge und können
sich gut in den Charts plazieren. Depeche Mode sind zurück. Vielleicht
erfolgreicher als je zuvor.
Insgesamt war es ein fantastisches 2006 mit unzählig eindrucksvollen Konzerten
und Veröffentlichungen. Unumwunden verdienen die Jahre 2005 und 2006 den Titel
der erfolgreichsten Jahre in der Bandgeschichte. Zumindest liefern sie einen
Beweis mehr, dass Depeche Mode auch nach 26 Jahren Bandgeschichte die "Massen"
mehr als nur begeistern kann. Doch nicht nur das! Mit "Playing the Angel" und
den unzähligen Liveauftritten der vergangenen zwei Jahre sind jede Menge neue
Fans dazugekommen. Kein Wunder also, dass das erste Best-Of-Album gleich an die
Spitze der Charts stürmte.
New Oldstars was born!
2007 sollte es zwar etwas ruhiger um Depeche Mode selbst werden - auf Neues
Material musste die „Gemeinde“ dennoch nicht verzichten. Denn neben dem Best OF
Volume 1 als limitiertes 12″-Vinyl oder als 3-fach LP und DVD, konnten wir auch
die Frischzellenkur weiterer, nicht minder spannend erwarteter Remaster-Releases
bestaunen. So setzte EMI nicht nur die Reihe der remasterten Alben auf CD+DVD
fort, sondern veröffentlichte in 2007 auch zahlreiche Alben in einer aufwendig
gestalteten Edition als Deluxe-Heavy-Vinyl im Klappcover.
Zur Begeisterung vieler Anhänger, die immer noch über den Bandaustritt von
Wilder trauern, macht Alan mit der Veröffentlichung seines mittlerweile fünften
Studioalbums auf sich aufmerksam. Denn nach bekanntlich langen sieben Jahren
Pause erschien am 6. Juli 2007 mit “subHuman” die neueste LP des Soundtüfftlers.
Alan gibt sich auf dem Longplayer gewohnt experimentell, düster und
elektronisch.
Das Recoil-Werk besticht vor allem durch seine bluesige Note, die dem Album eine
einmalige Atmosphäre verleiht. aber es ist auch politischer als die vorherigen
Alben „Hydrology“, „Bloodline“, „Unsound Methods“ und „Liquid“.Gemeinsam mit
Paul "PK" Kendall (Engineer und Sounddesigner) und Hepzibah Sessa (Wilders
Ehefrau und persönliche Assistentin) machte er sich daran, das Album noch vor
den Weihnachtsferien abzumischen. Im Februar 2007 entstand ein Mix im 5.1
Surround Sound.
Eine ambitionierte und bahnbrechende Erweiterung des traditionellen Albumformats
- und das Ergebnis ist eine allumfassende Atmosphäre, die den Hörer einhüllt und
es ihm ermöglicht, die cineastische Qualität und die Effekte, aus denen jeder
einzelne Song besteht, ganz auszukosten. Wilder ist und bleibt ein Meister
darin, ganz verschiedene und eklektische musikalische Stilrichtungen und häufig
kontroverse Themen zu mischen. So ist auch "subHuman" wieder ein Album mit einer
komplexen klanglichen Bilderwelt und kraftvollen Dynamik geworden.
MUTE RECORDS, wer weis das nicht, ist Tonkunst für die Massen, aber auch für
Randgruppen, welcher das Label zur 30jährigen Geschichte mit der Veröffentlich
der “MUTE AUDIO DOCUMENTS” eine ausführliche Retrospektive widmet. Von
Selbstbeweihräucherung fehlt bei der 10-CD-Box, welche sämtliche Singles aus den
frühen Jahren 1978-1984 und jede Menge rares Material versammelt, dennoch jede
Spur. MUTE ist sich seines musikhistorischen Wertes, seiner Geschichte und der
Bedeutung seiner Künstler bewusst. Zusammenfasst ist es vielmehr eine längst
überfällige Werkschau für Freunde von Musik, denn…GUTE MUSIK IST BESSER !
Das Jahr 2007 wird auch das Jahr für Dave Gahan und seine Zweite Soloplatte.
Ende Juli meldete er sich mit einem Videogruss aus den 11th Floor Studios in New
York an seine Fans zurück und verkündete, dass die Arbeiten am 2. Soloalbum "HOURGLASS"
fast beendet seien. Die Aufnahmen fanden in New York statt, wo Dave die neuen
Songs zusammen mit Christian Eigner (Drums) und Andrew Phillpott (Guitars)
schrieb und produzierte. Abgemischt wurde das Album bereits im Juli von Tony
Hoffer, welcher schon für BECK, AIR und die KOOKS arbeitete.
Am 19. Oktober 2007 hatte das Warten ein Ende. Fast auf den Tag genau sechs
Monate, nachdem Dave über ein neues Album berichtete, ist "HOURGLASS" im Handel
erhältlich. Dabei ist die Platte alles andere als eine Fortsetzung von “Paper
Monsters”. Elektronischer und facettenreicher ist es geworden. Dave hatte sein
zweites Album voller Vielseitigkeiten und emotionaler Gewichtigkeit geschaffen.
Anstatt einer Ansammlung von hochstilistisch und aalglatt prodizierten Songs,
wirkt die Musik wie eine direkte Weiterleitung der Gefühle, die Gahan versucht
auszudrücken. Sie sind erstaunlich direkt, überhaupt nicht doppeldeutig. Das
unheimlich schöne, gospel-angehauchte „Saw Something" eröffnet das Album.
Hourglass ist eine Seelenreise. In „Kingdom" bekennt er, dass „Ruhm mir nicht
viel bedeutet", während sicher ist, daß er sich nicht von seinen miesen inneren
Konflikten distanziert. Bei „Use You" lässt er bissig seine beträchtliche
Empörung über die Menschen im Allgemeinen heraus, und besonders über sich
selbst. Und bei „Down", der wahrscheinlich bekennenste Song des ganzen Albums,
summt er resigniert, „Ich fühle mich so alt," während er eingesteht, dass „Unten
am Boden dort ist, wo ich angebunden bin, um zu verenden." Aber mit Hourglass
hat er sich nicht nur wieder tapfer seinen Dämonen gestellt, er hat ebenso den
größten seiner Feinde identifiziert: die Zeit ansich. Und hat schlussendlich ein
wenig Frieden mit ihr geschlossen.
Alles in allem ein gelungenes Projekt und damit ein erfolgreiches Jahr mit
gleichfalls durchschlagendem Solodurchbruch von Dave, der längst aus dem
Schatten von Martin L. Gore als bislang einziger, unumstrittener Songschreiber
getreten ist. Auf eine Tour verzichtet er jedoch und macht damit den Weg frei
für die Aufnahmen der Band für eine neues Album.
ein neues Universum für Depeche Mode !
Mitte 2008 gab Depeche Mode die Trennung von ihrem US-Label Warner Music
(Sire/Reprise) bekannt. Alle neuen Veröffentlichungen werden nun weltweit bei
Mute Records (EMI) erscheinen.
Depeche Mode arbeiten von März bis Dezember 2008 an "Sounds of the Universe".
Das zwölfte Studioalbum „Sounds of the Universe“ wurde in Deutschland am 17.
April 2009 veröffentlicht, kurz zuvor erschien die erste Single-Auskopplung „Wrong“.
Am 21. Februar 2009feiert die erste SIngleauskopplung "Wrong" ihre Premiere beim
ECHO 2009 in Berlin. Erneut, nur 4 Jahre nach "PTA" kann Depeche Mode fenomenale
erfolge mit ihrem neuen album feieren. Die Airplay-Premiere von "WRONG" bei
allen Radiosendern erfolgte am selben Abend. Der Titel erreichte Platz 2 der
deutschen Single-Charts.
Damit haben zur Zeit nur noch die Beatles mehr Top Ten Platzierungen in
Deutschland als Depeche Mode. Das Album erreichte in 21 Staaten darunter in
Deutschland, in Österreich und der Schweiz in der ersten Woche nach Erscheinen
Platz 1 der jeweiligen Albumcharts. Die zweite Single „Peace“ erschien am 12.
Juni 2009.
Von Mai 2009 bis Februar 2010 befinden sich Depeche Mode auf Welttournee. Die
„Tour of the Universe“ startete am 10. Mai in Tel Aviv, Israel – ein
Aufwärmkonzert fand vier Tage zuvor in Esch-sur-Alzette, Luxemburg statt.
Aufgrund einer Erkrankung von Dave Gahan kam es jedoch zu einigen Konzertabsagen
und Terminänderungen. Eine schwere Gastroenteritis am Tag des Konzerts in Athen
führte zu dessen Absage. Bei weiteren Untersuchungen wurde ein bösartiger
Blasentumor entdeckt, der bei einer Operation in Gahans Heimatstadt New York
erfolgreich entfernt werden konnte. Da Gahan aber auf ärztliche Anweisung noch
bis zum 7. Juni pausieren sollte, mussten alle 15 Konzerte in diesem Zeitraum
(darunter vier in Deutschland) verschoben oder abgesagt werden.
Die Tour wurde mit dem Konzert am 8. Juni in Leipzig fortgesetzt.
Quelle:
http://www.modesite.de